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Für Versender

Logistik für Gründer — worüber niemand spricht

Lesezeit ca. 4 Minuten

Vor einiger Zeit habe ich auf einer Gründerplattform nachgeschaut, was dort zum Thema Logistik steht. Die Plattform erklärt, wie man ein Café eröffnet, wie man sich als Berater selbstständig macht, wie man einen Businessplan schreibt. Über 100 Geschäftsideen, Dutzende Ratgeber, Tools für Rechtsform und Finanzierung. Zum Thema Logistik: fast nichts.

Das ist kein Einzelfall. Die meisten Gründerportale, Startup-Seminare und Businessplan-Vorlagen behandeln Transport und Lager als Nebensache — wenn überhaupt. Und genau das ist das Problem.

Wer physische Produkte verkauft und die Logistik nicht mitdenkt, plant sein Unternehmen nur zur Hälfte.

Was ich in der Praxis sehe

Ich arbeite seit 18 Jahren in der Logistik. In dieser Zeit habe ich mit vielen Unternehmen zusammengearbeitet, die noch am Anfang standen — Startups, junge Marken, Hersteller mit ihrem ersten Produkt. Was mich dabei immer wieder überrascht: Die meisten kommen erst zu mir, wenn es bereits ein Problem gibt.

Die Verpackung war nicht transportsicher, und die erste größere Lieferung kommt beschädigt beim Kunden an. Die Kalkulation stimmt nicht, weil niemand die tatsächlichen Transportkosten eingerechnet hat. Die Ware steckt beim Zoll fest, weil sich vorher niemand mit den Einfuhrbestimmungen beschäftigt hat. Oder der Dienstleister, den man über eine Frachtenbörse gefunden hat, hat keine gültige EU-Lizenz — und plötzlich haftet der Auftraggeber mit.

Das alles sind keine Ausnahmen. Das ist Alltag. Und das meiste davon wäre vermeidbar gewesen, wenn man sich früh genug mit der Logistik beschäftigt hätte — nicht erst dann, wenn die erste Reklamation kommt.

Die teuersten Fehler passieren nicht beim Transport. Sie passieren bei der Planung.

Der Irrtum mit der Preisliste

Der häufigste Fehler, den ich sehe: Gründer suchen sich einen Transportdienstleister über den Preis. Das ist nachvollziehbar — am Anfang ist das Budget knapp, jeder Euro zählt. Aber ein Dienstleister, der Ihnen nur eine Preisliste schickt, ist austauschbar. Und er wird Ihnen nicht sagen, wo Ihr Engpass in sechs Monaten liegt.

Was ich in einem ersten Gespräch mit einem Gründer mache, hat oft wenig mit Transport zu tun. Ich frage: Was verkaufen Sie? Wie ist es verpackt? Woher kommt die Ware? Wie oft versenden Sie, und wohin? Was erwartet Ihr Kunde bei der Anlieferung?

Aus diesen Antworten ergibt sich ein Bild — und oft ein anderes, als der Gründer erwartet hat. Vielleicht ist der geplante Versandweg zu teuer für die Marge. Vielleicht ist die Verpackung nicht für den Transportweg ausgelegt. Vielleicht fehlt ein Schritt in der Kette, an den noch niemand gedacht hat.

Das alles lässt sich klären. Aber nicht mit einer Preisliste, sondern mit einem Gespräch. Und zwar am Anfang — nicht wenn es schon wehtut.

Ein guter Logistikpartner verkauft Ihnen nicht den teuersten Transport. Er verhindert den teuersten Fehler.

Was in dieser Reihe kommt

Dieser Beitrag ist der Auftakt einer Reihe, in der ich die Themen aufschreibe, die in keinem Gründerseminar vorkommen — aber im Tagesgeschäft sofort relevant werden.

Es geht um die Frage, wie man seine Logistik von Anfang an als Kette denkt — von der Beschaffung über das Lager bis zum Kunden. Wie man einen Logistikpartner findet, der nicht nur transportiert, sondern mitdenkt. Was bei Import und Export wirklich auf Sie zukommt. Warum die Verpackung eine wirtschaftliche Entscheidung ist, nicht nur eine technische. Wann welcher Versandweg Sinn ergibt. Welche Haftungsrisiken Sie als Auftraggeber tragen, ohne es zu wissen. Und wo Kosten entstehen, die in keiner Preisliste auf der ersten Seite stehen.

Einiges davon habe ich in anderen Beiträgen bereits angerissen — etwa die Haftungsgrenzen im Transport, die Frage der Transportversicherung oder die Schadensdokumentation. In dieser Reihe ordne ich das Ganze für die ein, die am Anfang stehen.

Der richtige Zeitpunkt ist jetzt

Sie müssen nicht alles auf einmal lösen. Aber Sie sollten jemanden haben, der von Anfang an mitdenkt — bevor sich die Fragen von selbst beantworten, und zwar teuer.

Wenn Sie gerade gründen und sich fragen, wie Sie Ihre Logistik aufstellen sollen: Starten Sie mit einem Gespräch, nicht mit einer Anfrage.

Nicht: Was kostet der Versand? Sondern: Was muss ich wissen, bevor ich zum ersten Mal Ware verschicke?
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