Bücher haben keine Lieferzeiten.
Sie haben Erscheinungstermine.
Von der Druckerei bis ins Regal — und alles, was dazwischen nicht schiefgehen darf.
Von der Druckerei bis ins Regal — und alles, was dazwischen nicht schiefgehen darf.
Bücher haben keine flexiblen Lieferzeiten. Sie haben Erscheinungstermine. Messetermine. Den Schuljahresbeginn. Das Weihnachtsgeschäft.
Wenn ein Buch nicht rechtzeitig im Lager ist, verschiebt sich nicht die Lieferung. Es verschiebt sich der Verkauf.
Deshalb beginnt Verlagslogistik nicht beim Transport. Sondern beim Kalender.
Für einen Verlag holte ich regelmäßig Bücher per Luftfracht aus den USA. Bei einer Sendung — zehn Tonnen — kam einen Tag vor der geplanten Abholung am Flughafen Frankfurt der Anruf vom Luftfrachtspediteur: Die Bücher stehen in Shanghai. Falsches Flugzeug. In Amerika falsch verladen.
Kein Fehler von uns. Kein Fehler des Verlags. Aber ein Problem, das trotzdem gelöst werden musste.
Zwei Tage später landete die Sendung in Frankfurt. Wir haben am selben Tag mit dem Lkw geladen und noch am gleichen Tag beim Verlag angeliefert.
Kein Verzug. Weil der Puffer von Anfang an eingeplant war.
In der Verlagslogistik gehört genau das zur Planung: nicht nur die Strecke, sondern der Raum für das, was unterwegs passieren kann.
In der Verlagslogistik ist Puffer keine Verschwendung. Sondern die eigentliche Leistung.
Viele Verlage lassen in Asien drucken — vor allem Kinderbücher, Bildbände, hochwertig verarbeitete Titel. Die Produktion braucht Zeit. Der Seeweg braucht Zeit. Und das Weihnachtsgeschäft wartet nicht.
Deshalb beginnt die Beschaffung oft bereits im Sommer. Container werden geplant, Laufzeiten kalkuliert, Lagerkapazitäten reserviert.
Je nach Volumen und Dringlichkeit kommen verschiedene Wege zum Einsatz:
Manchmal war die Ware schneller ausverkauft als erwartet. Dann musste ein Container, der bereits auf der Bahn gebucht war, umgebucht und am nächsten Tag per Lkw direkt ins Lager gebracht werden.
Kein Standardprozess. Aber in der Verlagslogistik ist das der Alltag.
Frankfurter Buchmesse. Leipziger Buchmesse. Für Verlage sind das keine optionalen Termine — und die Logistik dahinter ist Eventlogistik im engsten Sinn. Es sind die wichtigsten Wochen im Jahr.
Die Logistik beginnt Tage vorher: Messestand anliefern, Equipment transportieren, Stapler vor Ort organisieren oder einen eigenen mitbringen. Alles muss stehen, bevor die ersten Aussteller die Halle betreten.
Während der Messe: täglicher Shuttle-Verkehr mit Nachlieferungen für den Stand. Feste Abfahrtszeit, feste Ankunftszeit. Keine Spielräume. Was morgens nicht auf dem Stand steht, fehlt den ganzen Tag.
Nach der Messe: Abbau unter Zeitdruck. Alle räumen gleichzeitig, Hallenlogistik wird eng, Fahrzeuge müssen koordiniert sein.
Messelogistik ist Eventlogistik mit dem zusätzlichen Druck, dass der Kalender des gesamten Verlagsjahres daran hängt.
Ein Erscheinungstermin ist kein Wunschtermin. Er ist eine Kette von Entscheidungen, die Monate vorher beginnt.
Wenn die Sommerferien beginnen, startet für Buchhändler das Schulbuchgeschäft. Wie die Über-Nacht-Versorgung des Buchhandels im Hintergrund funktioniert, beschreibe ich im Blog. Die Zeit ist knapp, die Abläufe sind fest getaktet.
Die Bücher werden bei den Schulbuchverlagen abgeholt, zwischengelagert und dann auf Wunschtermin ausgeliefert — entweder an den Buchhändler oder direkt in die Schulen.
Für manche Buchhändler bedeutete das: drei, vier Anlieferungen an verschiedenen Schulen am selben Tag. Vor Ort stand jeweils ein Team bereit, das die Bücher angenommen und auf die Klassen verteilt hat.
Die Herausforderung liegt nicht in der einzelnen Lieferung. Sondern darin, dass jede Schule ihren Termin braucht — und keiner verschiebbar ist.
Über mehrere Jahre habe ich die Abholung des Guinness-Buchs der Weltrekorde organisiert. Jedes Jahr eine neue Auflage. Jedes Jahr bei einer anderen Druckerei in Europa.
Was gleich blieb: der Erscheinungstermin. Das Buch musste rechtzeitig im Lager sein, damit es pünktlich im Buchhandel steht.
Was sich änderte: Druckort, Volumen, Zeitfenster, Fahrzeugbedarf. Kein Jahr war wie das vorherige.
Routine im besten Sinn: Nicht weil der Ablauf immer gleich war. Sondern weil die Denkweise immer dieselbe war.
Ein Buch ist fertig, wenn es gedruckt ist. Es ist angekommen, wenn es im Regal steht.
Verlagslogistik bedeutet, den gesamten Weg mitzudenken — von der Druckerei bis ins Lager, vom Lager bis zur Messe, vom Lager bis ins Regal. Nicht als einzelne Aufträge. Sondern als Zusammenhang.
Es ist eine Einschätzung Ihrer konkreten Situation. In einem Gespräch klären wir, ob Standardlogistik ausreicht, wo die Risiken liegen — und welche Lösung tatsächlich sinnvoll ist.
Manchmal entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Manchmal nur Klarheit.
Beides hat Wert.