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Aus der Welt der Logistik

Wie funktioniert ein Stückgut-Netzwerk

Lesezeit ca. 4 Minuten

Sie geben eine Palette mit Ware auf, und ein paar Tage später steht sie beim Empfänger. Was dazwischen passiert, sieht von außen einfach aus. Aber zwischen Abholung und Zustellung durchläuft Ihre Palette einen logistischen Apparat, den die meisten Auftraggeber noch nie von innen gesehen haben.

Audioguide in Entstehung
Zu groß für ein Paket. Zu wenig für einen ganzen LKW.

Was Stückgut überhaupt bedeutet

Stückgut ist alles, was zu groß oder zu schwer für ein Paket ist, aber nicht genug für einen ganzen LKW. Eine Palette mit Maschinenteilen, drei Gitterboxen mit Baumaterial, ein Langgut-Bündel mit Stahlprofilen — das sind typische Stückgutsendungen.

Im Gegensatz zur Komplettladung wird beim Stückgut die Ladefläche geteilt. Ihr Gut fährt zusammen mit den Sendungen anderer Auftraggeber. Das macht den Einzeltransport günstiger — hat aber Konsequenzen für Laufzeit, Umschlag und Verpackung.

Hub-and-Spoke — Nabe und Speichen

Viele Stückgut-Netzwerke funktionieren nach dem Hub-and-Spoke-Prinzip. Stellen Sie sich ein Rad vor — in der Mitte das Zentralhub, drumherum die Regionalhubs als Speichen.

Über das Land verteilt gibt es Regionalhubs, die jeweils ein bestimmtes Gebiet bedienen. Jedes hat einen eigenen Nahverkehr — Fahrzeuge, die in einem Umkreis von 50 bis 100 Kilometern Sendungen abholen und zustellen.

Die Regionalhubs sind über feste Hauptlauf-Verbindungen mit dem Zentralhub verbunden. Dort läuft nachts alles zusammen: entladen, nach Zielregion sortiert, auf die richtigen LKW verteilt.

Praxis

Der Weg einer Palette — Minden nach Stuttgart

Am Nachmittag kommt der Nahverkehr in Minden vorbei und lädt die Palette auf. Er fährt seine Tour durch die Region und bringt am späten Nachmittag alles ins Regionalhub — in diesem Fall nach Bielefeld.

Dort wird Ihre Palette entladen, nach Zielregion sortiert und auf einen Hauptlauf-LKW verladen, der abends Richtung Zentralhub fährt — zum Beispiel nach Kassel.

Im Zentralhub passiert über Nacht das Herzstück: Aus allen Regionalhubs kommen die Hauptlauf-LKW an. Die Ware wird entladen, neu sortiert und auf die richtigen LKW verteilt. Ihre Palette wird vom Bielefeld-LKW abgeladen und auf den LKW verladen, der ins Regionalhub Richtung Stuttgart fährt.

Am frühen Morgen erreicht dieser LKW das Regionalhub im Raum Stuttgart. Dort wird Ihre Palette auf ein Zustellfahrzeug verladen, das die Zustellung übernimmt.

Mindestens acht Umschläge. Jeder einzelne ein Risiko.

Was das für Ihre Ware bedeutet

Zählen wir die Umschläge zusammen: Aufladen beim Absender, Abladen im Regionalhub Bielefeld, Aufladen auf den Hauptlauf, Abladen im Zentralhub Kassel, Aufladen auf den nächsten Hauptlauf, Abladen im Regionalhub Stuttgart, Aufladen auf das Zustellfahrzeug, Abladen beim Empfänger. Das sind mindestens acht Mal, die Ihre Palette bewegt wird.

Jeder einzelne Umschlag bedeutet: Die Palette wird geschoben, gehoben, abgestellt, neben andere Paletten gestellt, neu positioniert. Das sind keine theoretischen Belastungen. Und genau deshalb ist transportsichere Verpackung im Stückgut so entscheidend.

Ein System unter Taktdruck

Das gesamte Netzwerk läuft nach einem extrem engen Fahrplan. Die Hauptlauf-LKW fahren abends zu einer festen Uhrzeit los — egal ob alle Sendungen verladen sind oder nicht.

Kein LKW wartet auf einen anderen. Wenn ein Nahverkehrsfahrzeug zu spät im Regionalhub ankommt und der Hauptlauf schon weg ist, bleibt die Ware stehen — bis zum nächsten Tag.

Auch die Kapazität ist begrenzt. Wenn an einem Abend mehr Ware da ist als die LKW aufnehmen können, bleibt der Überschuss stehen. Man kann nicht einfach um 22:00 Uhr noch einen zusätzlichen LKW organisieren.

Fehlverladungen

Systembedingt unvermeidbar

In einem Regionalhub werden an einem normalen Tag bis zu 2.000 Sendungen bewegt. Im Zentralhub um ein Vielfaches mehr. Alles muss schnell gehen — entladen, scannen, sortieren, wieder verladen. Und trotz Scanner-Technik und Barcode-Systemen passieren Fehler.

SystembedingtDas sind keine Ausnahmen, die nur in schlecht organisierten Depots vorkommen. Das sind Fehler, die in jedem Netzwerk auftreten, bei jedem Betreiber, regelmäßig. Die Quote ist gemessen am Volumen niedrig — aber bei tausenden Sendungen pro Nacht reicht eine niedrige Fehlerquote, um täglich Sendungen zu produzieren, die nicht dort ankommen, wo sie ankommen sollten.

Wann Stückgut sinnvoll ist — und wann nicht

Stückgut ist die richtige Wahl, wenn Sie einzelne Paletten oder kleinere Mengen transportieren lassen, die keinen ganzen LKW füllen. Es ist kosteneffizient, flächendeckend verfügbar und funktioniert für die meisten Standardsendungen zuverlässig.

Stückgut ist nicht die richtige Wahl, wenn Ihre Sendung besonders empfindlich, besonders eilig oder besonders sperrig ist. In solchen Fällen lohnt sich der Blick auf Komplettladungen und Teilpartien. Eine unverpackte Glasplatte auf einer Palette im Stückgut-Netzwerk — das geht nicht gut. Und wenn die Zustellung am nächsten Tag um 8:00 Uhr garantiert stehen muss, brauchen Sie eine Direktfahrt.

Die Entscheidung, welcher Transportweg der richtige ist, ist genau das, wofür ein Spediteur da ist.

Wer das System kennt und seine Sendungen darauf abstimmt, bekommt zuverlässigen Transport.
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LogistikStudio 04

Minden, Ostwestfalen

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